Erlebnispädagogik - unsere Umsetzung
Erlebnispädagogik ist «Erziehung durch das Erlebnis». Das Erlebnis als solches dominiert als pädagogisches Moment. Der Pädagoge wird in der Situation zum Begleiter.
Aufgabe des Pädagogen ist es, Situationen zu schaffen, zuzulassen, herbeizuführen, zu organisieren oder von den Jugendlichen schaffen zu lassen, die nachhaltig wirkende Erlebnisse ermöglichen.
Im Vergleich dazu nimmt der Pädagoge bei traditionellen Erziehungsmethoden eine anleitende, fordernde, Zuwendung gebende Rolle ein. Die Erziehung ist vorwiegend von der Dominanz seiner Person und der Aufgabenstellung bestimmt und nur sekundär durch das Erlebnis.
In unserem erlebnispädagogischen Handeln benützen wir klientenbedingt vorwiegend die Natursportarten als Arbeitsinstrumente. Dies sind z.B. Trekking, Gleitschirmfliegen, Snowboardtouren, Surfen, Bergsteigen und Schneebiwaks.
Die vier Grundelemente der Erlebnispädagogik setzen sich aus sozialpädagogischer Sicht folgendermassen zusammen:
• Auseinandersetzung mit der Natur
• Bezug zum eigenen Körper und zur eigenen Person
• Solidarität
• Schaffen von Grenzsituationen
Gedanken zur Anwendung der Erlebnispädagogik
Ausgangslage unserer Zielgruppe ist oft das Szenario einer problematischen Biographie, die von Misserfolgen, Versagen und Ungenügen gegenüber Ansprüchen von Dritten geprägt ist. Symptomatisch dafür stehen Verhalternsmerkmale wie Existenz- und Versagensängste, latente Minderwertigkeitskomplexe, Misstrauen, Realitätsverweigerung- und flucht, Aggressivität, neurotisch depressives Verhalten etc.
Scheinbare Problemlösestrategien der Jugendlichen wie Drogenmissbrauch sind allzu oft alltägliche Formen des Umgangs mit schwierigen Lebenssituationen. Um ein definitives Abgleiten zu verhindern, werden solche Jugendliche meist gegen ihren Willen in ein Heim gebracht. Ein Heimeintritt ist somit meist die Konfrontation mit dem Resultat ihres Versagens.
Das gemeinsame positive Erleben und Bewältigen von abenteuerlichen Situationen schafft ein zweifaches Resultat:
• Beziehung aufgrund des gemeinsamen Erlebens: Es besteht die Möglichkeit der direkten Beziehungsaufnahme seitens des Pädagogen.
• Erfolgreiches Erleben und Bewältigen aussergewöhnlicher Ereignisse unterbrechen die lange Kette von negativen Erlebnissen. Freude, Selbstvertrauen und Stolz nehmen den Platz ein.
Um eine nachhaltig positive Wirkung zu erzielen, muss erlebnispädagogisches Handeln als Behandlungsmethode möglichst linear und kontinuierlich angewandt und fortgesetzt werden.
Ines Traub hat unter Betreuung von Prof. Dr. R. Fatke am Pädagogischen Institiut der Universität Zürich die aufschlussreiche Lizentitatsarbeit geschrieben:
«Verbesserte Lebenstauglichkeit dank Erlebnispädagogik? Eine qualitative und quantitative Befragung ehemaliger Jugendlicher des Jugendheims Sternen».
(Zu den Downloads)
Ebenfalls finden Sie dort die
Diplomarbeit von Urs Briker 2006 (BFF Bern, HFS)
über Erlebnispädagogik